____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Handicap-Prinzip
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Das Handicap-Prinzip ist eine Theorie sozialer Signale, in die insbesondere Ăberlegungen aus der Evolutionsbiologie und empirische Befunde aus der Verhaltensforschung eingingen. Sie besagt, âdaĂ der EmpfĂ€nger eines Signals an der VerlĂ€sslichkeit oder Genauigkeit des Signals interessiert ist und ein Signal nicht beachtet wird, wenn es nicht zuverlĂ€ssig ist.âcite-ref-handicap-p-383-1-0[1] âGlaubwĂŒrdigâ ist ein soziales Signal der Theorie zufolge insbesondere dann, wenn mit ihm ein Handicap verbunden ist, eine Erschwernis: âHandicaps, auch âteure Signaleâ genannt, sind zum Beispiel das Pfauenrad, der Nachtigallengesang oder die LöwenmĂ€hne, alles Merkmale, die zwar auf den ersten Blick keine biologische NĂŒtzlichkeit erkennen lassen, aber dennoch in der Evolution Bestand haben.âcite-ref-2[2] Wer trotz seines Energie zehrenden Merkmals im Wettbewerb mit Artgenossen besteht oder die Konkurrenten trotz der scheinbaren Vergeudung von Energie sogar ĂŒberflĂŒgelt, sende mittels des Handicaps seiner Umwelt zum Beispiel das Signal, besonders lebenstĂŒchtig und potent zu sein. Der Theorie zufolge kann gerade ein Handicap auch âStĂ€rkeâ demonstrieren. Das gelte insbesondere fĂŒr die Partnerfindung und die SexualitĂ€t.
Das Handicap-Prinzip wurde 1975 von dem israelischen Biologen Amotz Zahavi formuliertcite-ref-3[3] und durch das 1997 gemeinsam mit seiner Ehefrau Avishag Zahavi veröffentlichte Buch The Handicap Principle. A Missing Piece of Darwin's Puzzle weithin bekannt. Es erhebt den Anspruch, die Mechanismen der sexuellen Selektion zu ergÀnzen.
Contents
âą Beispiele
âą Gazelle
⹠TrauerschnÀpper
âą Rezeption
âą Weblinks
âą Belege
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Grundannahmen der Theorie
Amotz und Avishag Zahavi beschrieben die Grundgedanken des Handicap-Prinzips als âganz einfach: Vergeudung kann sinnvoll sein, weil man dadurch schlĂŒssig zeigt, daĂ man mehr als genug besitzt, und etwas zu vergeuden hat. Gerade der Aufwand â die Verschwendung selbst â macht die Aussage so zuverlĂ€ssig.âcite-ref-handicap-p-383-1-1[1] Die Theorie wurde durch diverse Feldstudien und andere empirische Befunde belegt und wird seitdem in der Verhaltensbiologie insbesondere zur ErklĂ€rung auffĂ€lliger Ornamente visueller, akustischer oder olfaktorischer Art genutzt.cite-ref-4[4]
Diese Deutung von Körper- und Verhaltensmerkmalen widerspricht diametral der âSackgassen-Theorieâ, der zufolge zum Beispiel der mĂ€nnliche Pfau gewissermaĂen in eine Sackgasse der Evolution geriet, weil die Weibchen seit Urzeiten Sexualpartner mit möglichst groĂen und sauberen Schwanzfedern bevorzugten. Aus dieser âSackgasseâ könne er nun nicht mehr heraus, obwohl das Schwanzgefieder ihn am Fliegen hindere und so auch seine FĂ€higkeit zu rascher Flucht erheblich einschrĂ€nke. Dem Handicap-Prinzip zufolge ist es gerade dieser augenfĂ€llige Nachteil, der seine Eignung als Sexualpartner fĂŒr das umworbene Weibchen glaubwĂŒrdig macht.
Das Handicap-Prinzip kann folglich das Entstehen von Merkmalen erklĂ€ren, die sich nicht unmittelbar aus TauglichkeitserwĂ€gungen der natĂŒrlichen Auslese ableiten lassen oder dem Prinzip der Fitness-Steigerung zu widersprechen scheinen.
Beispiele
MÀnnliche Löwen
MÀnnliche afrikanische Löwen können eine eindrucksvolle dunkle MÀhne entwickeln. In einer Langzeitstudie in der Serengeti wurde ein Zusammenhang insbesondere zwischen FÀrbung dieser Haare und dem Testosteron-Spiegel nachgewiesen, dessen Höhe wiederum vom ErnÀhrungszustand der mÀnnlichen Löwen abhÀngt: Je mehr Testosteron im Blut ist, desto dunkler ist die FÀrbung der MÀhne.cite-ref-5[5] Diese FÀrbung ist aber mit einem deutlichen Handicap verbunden, mit einem deutlich erhöhten Hitzestress, denn die Temperatur in praller Sonne ist auf der Haut dunkel gefÀrbter Löwen deutlich höher als auf der Haut von blonden Individuen. Nachgewiesen wurde zudem, dass Löwinnen eher dunklerbehaarte Löwen als Sexualpartner akzeptieren und dass die LÀnge der MÀhne ein soziales Signal an mÀnnliche Artgenossen ist und als ein Hinweis auf die KampfstÀrke unter Rivalen gedeutet werden kann. Dieses Signal körperlicher Fitness reduziert daher die Wahrscheinlichkeit riskanter KÀmpfe.
Gazelle
In der Einleitung zu ihrem gemeinsam verfassten Buch, das in deutscher Ăbersetzung unter dem Titel Signale der VerstĂ€ndigung herausgegeben wurde, illustrieren Amotz und Avishag Zahavi das Handicap-Prinzip am Beispiel des Verhaltens einer ruhenden Gazelle, die einen Beutegreifer in ihrer NĂ€he entdeckt hat:cite-ref-6[6] Die Gazelle springt auf, bellt und tritt den Boden mit den Vorderhufen. âDie SchlĂ€ge ihrer Hufe auf den WĂŒstenboden sind weithin zu hören; an ihrem gekrĂŒmmten Gehörn und der hell-dunklen Zeichnung ihrer Stirn ist leicht zu sehen, daĂ die Gazelle ihren Feind anschaut. [âŠ] Oft springt die Gazelle mehrmals mit allen vier Beinen in die Luft. Wenn sie dann lĂ€uft, schwingt sie ihren schwarzen Schwanz auffĂ€llig vor ihrem weiĂen, schwarz umrandeten Rumpf hin und her.â Ganz anders verhalte sich eine Gazelle hingegen, wenn sie zum Beispiel von einem Auto aufgeschreckt wird und flieht: âSie rast schweigend davon und nutzt dabei die örtlichen Gegebenheiten, um nicht gesehen zu werden.â
Im Licht des Handicap-Prinzips können die drei âkostspieligenâ Verhaltensweisen der Gazelle â Bellen, Klopfen und Prellspringen â als Signale an den Fressfeind gedeutet werden: Das Tier signalisiere zum einen, dass es den Beutegreifer bemerkt habe. Indem die Gazelle ihre Zeit mit LuftsprĂŒngen und dem Zurschaustellen ihres auffĂ€lligen Hinterteils âvergeudetâ, statt rasch zu fliehen, versichere sie ihrem GegenĂŒber, âdaĂ sie in der Lage ist, ihm zu entkommen.â Der Beutegreifer wiederum erkenne an ihrem Verhalten, âdaĂ er keinerlei Aussicht hat, seine Beute zu ĂŒberraschen, und daĂ diese Gazelle in ausgezeichneter körperlicher Verfassung istâ. Verzichte der Beutegreifer daher auf einen Angriff, werde eine sinnlose Jagd vermieden: Die Gazelle muss nicht mit maximalem Krafteinsatz fliehen, und der Beutegreifer spart seine Energie fĂŒr eine weniger krĂ€ftige Gazelle auf.
⹠Auch das auffÀllig leuchtende Hinterteil eines fliehenden Kaninchens kann in diesem Sinn als soziales Signal an einen Fressfeind gedeutet werden.
TrauerschnÀpper
2006 wurde eine Studie zur Bedeutung der blĂ€ulichen Eierfarbe beim TrauerschnĂ€pper veröffentlicht.cite-ref-7[7] BlĂ€uliche Eier sind in einem Nest viel auffĂ€lliger als graue und somit fast ein Lockmittel fĂŒr Eierfresser. AuĂerdem bedeutet die Herstellung gerade des Farbstoffs Biliverdin fĂŒr die MĂŒtter einen besonders hohen physiologischen Aufwand, und der kann sich im Verlauf der Stammesgeschichte nur dann entwickelt haben, wenn ihm ein entsprechender Nutzen gefolgt ist. Die Befunde der Studie lauten: Je blauer das Ei, desto gröĂer die Chancen fĂŒr den geschlĂŒpften Jungvogel, dass er die ersten zwei Lebenswochen gesund ĂŒbersteht. Das liege jedoch nicht unmittelbar an der blauen Farbe. Die Farbe sei vielmehr bloĂ ein Zeichen dafĂŒr, dass die Mutter gesund war. Neben den Farbstoffen habe sie daher auch viele mĂŒtterliche Antikörper an den Nachwuchs weitergeben können. Auf diese Weise könnten sich KĂŒken aus stark gefĂ€rbten Eiern besser gegen Krankheitserreger wehren als KĂŒken aus schwach gefĂ€rbten Eiern. Der Forscher geht davon aus, dass die Farbe auch als Signal an die Eltern dient: Je blauer die Eier, desto lohnender, sie zu bebrĂŒten. In einer Folgestudie wurde 2005 berichtet, dass MĂ€nnchen sich stĂ€rker an der Brutpflege beteiligen, wenn die Eier besonders intensiv gefĂ€rbt sind.cite-ref-8[8]
Weitere Beispiele
âą Amotz und Avishag Zahavi leiten auch das Entstehen von besonders schweren Hörnern wie beim GroĂen Kudu vom Wirken des Handicap-Prinzips ab.cite-ref-9[9] Im FrĂŒhstadium der Evolution von Hörnern und Geweihen vermuten sie, dass kleine AusstĂŒlpungen â vergleichbar den Stirnhöckern der Giraffen â als ein unterstĂŒtzendes Signal dienten, das die Blickrichtung anzeigte. Auch die etwas lĂ€ngeren, aber dĂŒnnen SpieĂhörner der mĂ€nnlichen Nilgauantilopen seien soziale Signale: Die MĂ€nnchen dieser Art bekĂ€mpfen ihre Rivalen, indem sie sie mit den Vorderbeinen schlagen. Die harten, scharfen Hörner der Weibchen mehrerer Gazellenarten seien hingegen wirksame Waffen gegen kleine Beutegreifer. âDann kam wieder die Signalselektion ins Spiel und fĂŒhrte zu schweren und gewundenen oder verzweigten Hörnern, die StĂ€rke und Ausdauer ihrer TrĂ€ger signalisieren. Das Ergebnis waren die schweren, nach hinten gebogenen Hörner des Steinbocks, die spiraligen Hörner des GroĂen Kudu, die Gabeln des Rehbocksâ, die sich aber âgewöhnlich nicht als besonders gut als herkömmliche Waffenâ bewĂ€hren.
âą Bestimmte LautĂ€uĂerungen von Vögeln und anderen Tieren, die hĂ€ufig als Warnrufe fĂŒr die Artgenossen gedeutet wurden (das sogenannte Hassen), können auch als Signal an einen potentiellen Fressfeind interpretiert werden, im Sinne von: âIch habe dich bemerkt, ich kann es mir leisten, mich fĂŒr dich auffindbar zu exponieren, weil ich geschickt genug bin, rechtzeitig vor dir zu flĂŒchten.âcite-ref-10[10]
âą Zu den weiteren Beispielen, die Amotz und Avishag Zahavi in ihrem Buch Signale der VerstĂ€ndigung ausfĂŒhrlich darstellen, gehören u. a. das Brunftgeschrei der Hirsche, das auffĂ€llige Gefieder einiger Fasane, die GesĂ€nge und langen BalzflĂŒge der Lerchen, das âTanzenâ der BirkhĂŒhner, die âBrautgabenâ der Möwen, das stundenlange Singen von Grillen und die Leuchtsignale der GlĂŒhwĂŒrmchen.
Rezeption
âDas Handicap-Prinzip ist eines der einflussreichsten Konzepte der Evolutionsbiologie.âcite-ref-11[11] Diese im Jahr 2015 in einer Fachzeitschrift publizierte Aussage ist insofern besonders bemerkenswert, weil sie einer Studie vorangestellt wurde, in der Kritiker des Konzepts den Zusammenhang von âGlaubwĂŒrdigkeit eines Merkmalsâ und dessen âKostenâ anzweifelten. Diese Studie reihte sich in eine wissenschaftliche Debatte ein, die Amotz Zahavi 1975 angestoĂen hatte und die auf das Gebiet der Entwicklungspsychologiecite-ref-12[12] und der Immunologie,cite-ref-13[13] auf Managementprozesse,cite-ref-14[14] auf Ăberlegungen zur Ăsthetikcite-ref-15[15] und selbst zur KriegsfĂŒhrungcite-ref-16[16] ausstrahlte und jahrzehntelang anhielt.cite-ref-17[17]
ZunĂ€chst stieĂ das Konzept auf massive Kritik, insbesondere von John Maynard Smith, auf den das Konzept der evolutionĂ€r stabilen Strategie zurĂŒckgeht,cite-ref-18[18] aber auch von anderen Autoren, die insbesondere mit mathematischen Modellen gegen das Handicap-Prinzip argumentierten.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Amotz Zahavi selbstcite-ref-22[22] und andere Autoren verteidigten hingegen das Konzept.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]cite-ref-25[25] Andere Autoren relativierten das Konzept insofern, als es nicht die einzige plausible ErklĂ€rung dafĂŒr sei, wie glaubwĂŒrdige Signale ausgesendet werden könnten,cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] beispielsweise wurde auf das Konzept der Runaway selection verwiesen.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Im RĂŒckblick wurde 2011 erlĂ€utert, dass mathematische Modellierungen die Theorie zunĂ€chst zwar nicht bestĂ€tigten,cite-ref-30[30] dies jedoch ab 1990 gelang, nachdem Alan Grafen zwei Publikationen zu populationsgenetischen Modellen verfasst hatte.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32] Bereits 1995 wurde die Theorie als âweitgehend akzeptiertâ (widely accepted) beschrieben,cite-ref-33[33] gleichwohl hĂ€lt die wissenschaftliche Debatte um die Frage, wie ein evolutionĂ€res Gleichgewicht zwischen Vor- und Nachteilen erklĂ€rt werden kann, bis in jĂŒngste Zeit an.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35]
In der Encyclopedia of Evolutionary Psychological Science gelangen die Autoren des Stichworts Handicap Principle jedoch im Jahr 2018 zu folgender abschlieĂender Bewertung:cite-ref-36[36]âAnfangs lehnten Wissenschaftler das Konzept ab, stimmen ihm aber inzwischen grundsĂ€tzlich zu. Obwohl das Konzept auf den ersten Blick eklatant kontraintuitiv erscheint, ist die ihm zu Grunde liegende Logik fundiert und weist Kennzeichen einer guten wissenschaftlichen Theorie auf: ĂŒberprĂŒfbare Hypothesen, vereinheitlichende ErklĂ€rungen fĂŒr unterschiedliche PhĂ€nomene, Parsimonie, weiter Geltungsbereich sowie heuristisches und prognostisches Vermögen. Das Konzept wird gestĂŒtzt durch mathematische und empirische Befunde und verĂ€nderte den Blick, mit dem wir die Kommunikation von Tieren betrachten.â
Weblinks
âą Amotz Zahavi, der Vogelversteher. Auf: wissenschaft.de vom 18. Februar 2008.
âą Was teuer ist, ist wahr. Auf: nzz.ch vom 13. Januar 2010.
âą Die Kunstwerke des Kugelfischs. Auf: geo.de, zuletzt abgerufen am 30. Mai 2022.
Belege
cite-note-handicap-p-383-11. â Amotz Zahavi und Avishag Zahavi: Signale der VerstĂ€ndigung. Das Handicap-Prinzip. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1998, S. 383, ISBN 3-458-16927-X.
cite-note-22. â Eckart Voland:Die Arena der Ehrlichen. Das Prinzip der Kommunikation mit teuren Signalen entwickelt sich in der menschlichen Kulturgeschichte zum Prinzip der Angeberei. (Memento vom 5. November 2019 im Internet Archive). Im Original publiziert auf faz.net vom 3. Januar 2007.
cite-note-33. â Amotz Zahavi: Mate selection â A selection for a handicap. In: Journal of Theoretical Biology. Band 53, Nr. 1, 1975, S. 205â214, doi:10.1016/0022-5193(75)90111-3.
cite-note-44. â Sara M. Clifton, Rosemary I. Braun und Daniel M. Abrams: Handicap principle implies emergence of dimorphic ornaments. In: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. Band 283, Nr. 1843, 2016, 20161970, doi:10.1098/rspb.2016.1970.
cite-note-66. â Amotz Zahavi und Avishag Zahavi: Signale der VerstĂ€ndigung, S. 13â15.
cite-note-77. â Judith Morales, Juan J. Sanz und Juan Moreno: Egg colour reflects the amount of yolk maternal antibodies and fledging success in a songbird. In: Biology Letters. Band 2, Nr. 3, 2006, doi:10.1098/rsbl.2006.0471.
cite-note-88. â Juan J. Soler, Juan Moreno, JesĂșs M. AvilĂ©s, und Anders P. MĂžller: Blue and green egg-color intensity is associated with parental effort and mating system in passerines: Support for the sexual selection hypothesis. In: Evolution. Band 59, Nr. 3, 2005, S. 636â644, doi:10.1554/04-159.
cite-note-99. â Amotz Zahavi und Avishag Zahavi: Signale der VerstĂ€ndigung, S. 164â166.
cite-note-1010. â Amotz Zahavi und Avishag Zahavi: Signale der VerstĂ€ndigung, S. 23â28.
cite-note-1111. â Simon M. Huttegger, Justin P. Bruner und Kevin J. S. Zollman: The Handicap Principle Is an Artifact. In: Philosophy of Science. Band 82, Nr. 5, 2015, doi:10.1086/683435, Volltext (PDF).
cite-note-1212. â Wolfgang Schneider und Friedrich Wilkening: Theorien, Modelle und Methoden der Entwicklungspsychologie. EnzyklopĂ€die der Psychologie, Band 1. Hogrefe, Göttingen 2006, S. 517, ISBN 978-3-8017-0586-2, Volltext von Kapitel 10 (PDF).
cite-note-1313. â Ivar Folstad und Andrew John Karter: Parasites, Bright Males, and the Immunocompetence Handicap. In: The American Naturalist. Band 139, Nr. 3, 1992, S. 603â622, doi:10.1086/285346. M. L. Roberts, K. L. Buchanan und M. R. Evans: Testing the immunocompetence handicap hypothesis: a review of the evidence. In: Animal Behaviour. Band 68, Nr. 2, 2004, S. 227â239, doi:10.1016/j.anbehav.2004.05.001.
cite-note-1414. â Matthias Nöllke: ManagementBIOnik. Wie Tiere und Pflanzen FĂŒhrungskrĂ€fte inspirieren können. Haufe, Freiburg â MĂŒnchen â Stuttgart 2019, S. 125â127, ISBN 978-3-648-12404-8.
cite-note-1515. â Das âHandicap-Prinzipâ und die biologische Revolution der Ă€sthetischen Urteilskraft. Von Eckart Voland. In: Ralf Schnell (Hrsg.): Wahrnehmung â Kognition â Ăsthetik. Neurobiologie und Medienwissenschaften. transcript Verlag, 2005, S. 35â60, ISBN 978-3-83940347-1.
cite-note-1616. â Zhanshan Ma, Frederick T. Sheldon und Axel Krings: The Handicap Principle, Strategic Information Warfare and The Paradox of Asymmetry. Oak Ridge National Laboratory, Oak Ridge (Tennessee, United States of America), April 2010, Volltext (PDF).
cite-note-1717. â Amotz Zahavi and his Handicap Principle. Ăbersicht ĂŒber diverse Studien, in denen das Handicap-Prinzip getestet wurde.
cite-note-1818. â John Maynard Smith: Sexual selection and the handicap principle. In. Journal of Theoretical Biology. Band 57, Nr. 1, 1976, S. 239â242, doi:10.1016/S0022-5193(76)80016-1.
cite-note-1919. â J. W. F. Davis und P. O'Donald: Sexual selection for a handicap: A critical analysis of Zahavi's model. In: Journal of Theoretical Biology. Band 57, Nr. 2, 1976, S. 345â354, doi:10.1016/0022-5193(76)90006-0.
cite-note-2020. â Mark Kirkpatrick: The Handicap Mechanism of Sexual Selection Does Not Work. In: The American Naturalist. Band 127, Nr. 2, 1986, S. 222â240, doi:10.1086/284480.
cite-note-2121. â Ian P. M. Tomlinson: Diploid models of the handicap principle. In: Heredity. Band 60,1988, S. 283â293, doi:10.1038/hdy.1988.44.
cite-note-2222. â Amotz Zahavi: The cost of honesty: Further Remarks on the Handicap Principle. In: Journal of Theoretical Biology. Band 67, Nr. 3, 1977, S. 603â605, doi:10.1016/0022-5193(77)90061-3.
cite-note-2323. â Graham Bell: The Handicap Principle in Sexual Selection. In: Evolution. Band 32, Nr. 4, 1978, S. 872â885, doi:10.2307/2407500, Volltext (PDF).
cite-note-2424. â Susan M. Leech und Marty L. Leonard: Begging and the risk of predation in nestling birds. In: Behavioral Ecology. Band 8, Nr. 6, 1997, S. 644â646, doi:10.1093/beheco/8.6.644.
cite-note-2525. â Gilbert Roberts: Competitive altruism: from reciprocity to the handicap principle. In: Proceedings of the Royal Society B. Band 265, Nr. 1394, 1998, S. 427â431, doi:10.1098/rspb.1998.0312, Volltext.
cite-note-2626. â Szabolcs SzĂĄmadĂł: The cost of honesty and the fallacy of the handicap principle. In: Animal Behaviour. Band 81, Nr. 1, 2011, S. 3â10, doi:10.1016/j.anbehav.2010.08.022.
cite-note-2727. â Gerald Borgia: The Cost of Display in the Non-Resource-Based Mating System of the Satin Bowerbird. In: The American Naturalist. Band 141, Nr. 5, 1993, S. 729â743, doi:10.1086/285502.
cite-note-2828. â Andrew Pomiankowski: The âhandicap principleâ works without Fisher. In: Trends in Ecology & Evolution. Band 2, Nr. 1, 1987, S. 2â3, doi:10.1016/0169-5347(87)90189-3.
cite-note-2929. â Andrew Pomiankowski: Sexual selection: the handicap principle does work â sometimes. In: Proceedings of the Royal Society B. Band 231, Nr. 1262, 1987, doi:10.1098/rspb.1987.0038.
cite-note-3030. â Jonathan Grose: Modelling and the fall and rise of the handicap principle. In: Biology & Philosophy. Band 26, Nr. 5, 2011, S. 677â696, doi:10.1007/s10539-011-9275-1.
cite-note-3131. â Alan Grafen: Sexual selection unhandicapped by the fisher process. In: Journal of Theoretical Biology. Band 144, Nr. 4, 1990, S. 473â516, doi:10.1016/S0022-5193(05)80087-6.
cite-note-3232. â Alan Grafen: Biological signals as handicaps. In: Journal of Theoretical Biology. Band 144, Nr. 4, 1990, S. 517â546, doi:10.1016/S0022-5193(05)80088-8.
cite-note-3333. â Shigeo Yachi: How can honest signalling evolve? The role of handicap principle. In: Proceedings of the Royal Society B. Band 262, Nr. 1365, 1995, doi:10.1098/rspb.1995.0207.
cite-note-3434. â Patrick Kane und Kevin J. S. Zollman: An Evolutionary Comparison of the Handicap Principle and Hybrid Equilibrium Theories of Signaling. In: PLoS ONE. Band 10, Nr. 9, 2015, e0137271, doi:10.1371/journal.pone.0137271.
cite-note-3535. â Dustin J. Penn und Szabolcs SzĂĄmadĂł: The Handicap Principle: how an erroneous hypothesis became a scientific principle. In: Biological Reviews. Online-Publikation vom 23. Oktober 2019, doi:10.1111/brv.12563.
cite-note-3636. â Laith Al-Shawaf und David M. G. Lewis: The Handicap Principle. In: Todd K. Shackelford und Viviana A. Weekes-Shackelford (Hrsg.): Encyclopedia of Evolutionary Psychological Science. Springer, Cham 2018, Volltext (Memento vom 7. November 2019 im Internet Archive).